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Im Artikel Allgemeine Informationen zum Hundetrainer-11er wurde auf die gesetzlichen Regelungen hingewiesen.

Vor Einführung dieses Paragraphen – der Erlaubnispflicht für HundetrainerInnen – konnte jeder, der sich dazu berufen fühlte, mit Hunden arbeiten, sie trainieren, Dritte anleiten. Dem soll mittels dieses Paragraphen ein Riegel vorgeschoben werden; ab 01.08.2014 ist die Erlaubnis gesetzliche Pflicht.

Aber auch schon vor der Einführung des §11, 8f bestand die Möglichkeit, dass HundetrainerInnen sich bei den Tierärztekammern Niedersachsen sowie Schleswig Holstein zertifizieren lassen. Eine solche Zertifizierung beinhaltet eine theoretische als auch praktische Prüfung (keine Ausbildung) in unterschiedlichen Bereichen.

Ein Berufsverband für HundetrainerInnen hat damit geworben, dass, so man dort eine Ausbildung absolvieren würde, man auch die Möglichkeit hätte, vor der IHK eine staatlich anerkannte Prüfung abzulegen. Man kann diese Prüfung heute noch immer ablegen, aber sie ist eben nicht staatlich anerkannt, wie das Gericht feststellte IHK-Lehrgänge nicht immer staatliche anerkannt.

Alle HundetrainerInnen mit langjähriger Berufserfahrung wissen, dass es „früher“ – so vor 20-25 Jahren – gar keine Möglichkeit gab, irgendwo eine Ausbildung zum HundetrainerIn zu absolvieren. Es gab vereinzelt Möglichkeiten, Seminare zu besuchen, aber auch diese Angebote waren nicht vergleichbar mit dem, was sich in den letzten 10-15 Jahren auf dem Markt bewegt. Einige private Unternehmen haben sich darauf spezialisiert, Hundetrainern eine Ausbildung anzubieten – aber eben keine staatlich anerkannte, die gibt es nach wie vor nicht.

Aber es ist vom Bundesministerium ein Mindestmaß an Sachkunde vorgeschrieben, also ging es nun um die zentrale Frage: wie wird das Mindestmaß an Sachkunde definiert?

Der größte Teil der Veterinärämter war mit dieser Frage schlichtweg überfordert.

Eine Projektgruppe (AGT-Bund-Länder) erarbeitete unter Beteiligung des BMEL (Bundesminsiterium für Ernährung und Landwirtschaft) und Sachverständigen verschiedener Verwaltungsebenen der Länder folgenden Beschluss Erlaubnispflicht AGT Bund-Länder 05.14. Soweit ich weiß, sind diese Sachverständigen der Länder alle keine HundetrainerInnen, sondern wohl eher TierärztInnen.

Der Lehrstuhl für Tierschutz, Verhaltenskunde, Tierhygiene und Tierhaltung LGL (Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit) hat für das Bundesland Bayern folgendes Mindestmaß an Sachkunde festgelegt: Fragekatalog im Rahmen der mündlichen und praktischen Teilprüfung 06.14

Viele Veterinärämter haben keinerlei vorhandene Trainerausbildung, Fortbildung, Seminare… anerkannt. Ausnahmen bildeten die Zertifizierungen der Tierärztekammern bzw. eine Prüfung bei der IHK. In manchen Bundesländern war man auch sachkundig, wenn man ein Biologiestudium absolviert hatte oder Tierarzt war. In wieder anderen Bundesländern zählte auch das nichts.

Letztendlich lief es darauf hinaus, dass alle Hundetrainer, gleich welche Ausbildung(en), Seminare, Berufserfahrung, Zusatzqualifikationen nachweisbar waren, nicht das geforderte Mindestmaß an Sachkunde besitzen und somit eine zum Teil sehr teure Prüfung ablegen sollten.

Die Prüfungen bei den Veterinärämtern bestanden in der Regel aus dem sog. Doqs-Test pro (ein Single-Choice-Test mit 50 Fragen), einer Videoanalyse, einem Fachgespräch und einer praktischen Prüfung. Manche Veterinärämter luden auch „nur“ zu einem Fachgespräch ein, hinter welchem sich dann aber doch diese 3-teilige Prüfung verbarg.

Ein paar wenige Veterinärämter haben sich aber an die Verwaltungsvorschriften gehalten, den Einzelfall geprüft, die vorhandene Sachkunde anerkannt und evtl. noch eine Überprüfung des praktischen Trainings vor Ort getätigt – so wie es auch sein sollte. Leider bilden diese Ämter oder deren Amtsveterinäre die große Ausnahme.

Die Kosten für eine Erlaubnispflicht ist also abhängig von dem Veterinärämt und dessen Aufwand. Eine zwei- bis vierstündige Prüfung incl. externem Sachverständigen (da der Hund ja so ein exotisches Haustier ist und der Amtsveterinär den tierschutzkonformen Umgang nicht feststellen kann) ist natürlich um ein vielfaches teurer, als eine Einzelfallentscheidung. Somit bewegen sich die Kosten einer Erlaubnispflicht zwischen 100,00 bis 1.200 €.

Ich möchte erinnern: es geht um eine Erlaubnispflicht bei welcher ein Mindestmaß an Sachkunde im Sinne des Tierschutzgesetzes festzustellen ist. Wird eine Hundeschule angezeigt, ist der zuständige Amtsveterinär sehr wohl in der Lage – ganz ohne externen Sachverständigen – zu entscheiden, ob die Handlungen des Trainers tierschutzwidrig waren oder nicht. Weshalb kann er das denn nicht, wenn es um eine Erlaubnis geht?

Die Kosten für die Prüfung alleine sind es ja aber nicht, hinzu kommen noch Kosten für Bücher, welche von den Ämtern empfohlen werden oder diversen Vorbereitungskursen, die von verschiedenen Tierärzten (meistens mit Zusatz), aber auch einigen HundetrainerInnen angeboten werden.

Das Mindestmaß an Sachkunde beinhaltet ein hohes Maß an medizinsichem Wissen und überhaupt sind Tierärzte sehr vertreten, da sie ja auch als externe Sachverständige hinzugezogen werden. Aber was berechtigt einen Tierarzt mit seinem medizinischen Studium (incl. ca. 50 Stunden Verhalten von Haustieren, nicht nur Hunden), die Arbeit eines Hundetrainers zu beurteilen? Selbst wenn der Tierarzt eine Weiterbildung zum „verhaltenstherapeutisch arbeitenden Tierarzt“ besucht hat und dabei 25 Fälle dokumentieren muss, weiß er dann mehr als HundetrainerInnen, die jahrelang tagein tagaus mit problematischen Hunden arbeiten und zusätzlich ständig Weiter- und Fortbildungen besuchen?